2010
Jan Frerichs: „Harte Hunde, schwarze Schafe. Bauernhof im Knast“ (Zdf.neo, 29:30)
Die Jugendanstalt Neustrelitz ist eines der modernsten Jugendgefängnisse Deutschlands. Die Insassen sind überwiegend Gewaltstraftäter. Als Hauptursache für Jugendgewalt vermuten Experten einen Mangel an Empathie. Um Einfühlungsvermögen zu wecken und so den Resozialisierungsprozess in Gang zu bringen, werden in Neustrelitz seit 2001 Tiere eingesetzt. Die Reportage begleitet drei junge Gefangene bei ihrer Arbeit auf dem Gefängnisbauernhof und zeigt, wie der Umgang mit den Tieren sie verändert.
Die Jury sagt:
Die Dokumentation zeigt auf beeindruckende Weise den Gefängnisalltag junger Straftäter in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei gelingt es dem Film, genau, unaufgeregt und mit der nötigen Distanz einen bundesweit einmaligen Modellversuch zu begleiten. In Neustrelitz werden Jugendliche durch Kontakt mit Tieren auf die Rückkehr in ein normales Leben vorbereitet. Die Gespräche mit den Jugendlichen und den Betreuern sind intensiv, immer dicht an den Ereignissen und nah an den Protagonisten. Der Film schildert einen ungewöhnlichen Ansatz der Straftherapie, er zeigt Chancen und Grenzen. Der Autor verschweigt nicht die Taten, relativiert weder Schuld noch Verantwortung und dokumentiert den schmalen Grat auf dem straffällig gewordene Jugendliche eine ungewöhnliche Möglichkeit zur Resozialisierung erhalten. Geschichte und Film berühren.
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Wolfgang Heidelk: „Großer Bahnhof in Sternberg“ (NDR Info, 29:34)
In Mecklenburg-Vorpommern sind viele alte Bahnhöfe verwaist. Aber der Sternberger Bahnhof hatte Glück. Er wurde aufwendig saniert und ist nun wieder ein Ort zum Ankommen.
Aus dem alten Güterschuppen ist ein schicker Jugendklub geworden. Nebenan kocht der Heimatverein – und in der Bahnhofsgaststätte lädt die Sternberger Tafel jeden Donnerstag zu Kaffee und Kuchen ein. In der alten Bahnhofsvorsteher-Wohnung stricken heute die Damen vom Frauenbund. Die meisten sind seit Jahren arbeitslos, manche seit der Wende. Kommen mit dem neuen Bahnhof vielleicht bessere Zeiten?
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Frank Pubantz: Beitragsserie „Im langen Schatten der Wohltätigkeit“ (Schweriner Volkszeitung)
Diese Auswahl von Beiträgen öffnet einen Blick in dubiose Finanzgeschäfte in Immobilienfirmen unter dem Dach des Wohlfahrtsverbandes Volkssolidarität in MV mit Geld von Anlegern. Millionen Euro sind verschwunden. Pubantz beschrieb das Thema als Erster, hakte immer wieder nach, zeigte Zusammenhänge bis zum VS-Landesverband.
Die Jury sagt:
In der Sparte PRINT zeichnet die Jury eine Rechercheleistung aus, die - leider - nicht alltäglich in Mecklenburg-Vorpommerns Tageszeitungen ist. Autor Frank Pubantz von der Lokalredaktion Güstrow der «Schweriner Volkszeitung» ist über Monate dran geblieben am Skandal um die pleitegegangenen Volkssolidarität-Immobilienfonds in der Region. Er hat immer wieder nachgefragt, bei Betroffenen und mutmaßlich Verantwortlichen und man merkt, dass letzteren die Fragen nicht immer gefallen haben. Hut ab vor dieser Leistung, die angesichts hoher Arbeitsdichte gerade in den Lokalredaktionen noch schwerer wiegt.
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Felix Hock: „Konspirative KüchenKonzerte“ (Web 2.0-Sendung, 58:00)
Der gebürtige Holländer Ton Matton lebt in Wendorf – hier gibt es genügend kreativen Raum zur Entfaltung. Stadtplanung, Architektur, Design - der Wismarer Gastprofessor hat viele Begabungen. Mattons Kunstwerke sind nicht nur schön anzuschauen, vielmehr sind es Antworten auf die Frage, wie die Städte in Zukunft aussehen werden. Bei einem Besuch in Wendorf wird Matton an seinem Arbeitsplatz zunächst porträtiert – was treibt einen Holländer nach Mecklenburg-Vorpommern, woher kommen die Ideen und wie sieht eigentlich ein Hühnerstall in der Großstadt aus? Die Sendung ist eine Folge der „Konspirative KüchenKonzerte“.
Die Jury sagt:
Heißer Scheiß, live serviert! Die Idee, aus der Küche einer Wohnung Nachrichten zu verbreiten, ist nicht neu. Die Idee, Kunst, Musik und Kulinarische Genüsse zu gleichen Teilen in einen großen Topf zu geben, hingegen schon. Eine Prise Web2.0 macht daraus ein einzigartiges, spannendes und vor allem unterhaltsames Format, das live im TV oder "aus der Konserve" im Netz verfolgt werden kann. Garniert mit den Werkzeugen des Internets (MySpace, Twitter, Facebook - Blog, YouTube, iTunes) wird daraus ein Gesamtwerk, dessen Idee und Umsetzung Anerkennung verdient.
Link zu den Konspirativen Küchenkonzerten
Tanja Krämer: „Schlechte Aussichten“ (Tagesspiegel)
Am 23. April 2009 wurde in Schwerin die Bundesgartenschau eröffnet. Auf 550 000 Quadratmetern hatte sich die Stadt herausgeputzt. Doch schon wenige Straßenzüge hinter dem Gartenschaugelände zerfallen ganze Viertel, zahlreiche Wohnungen stehen leer. Am schlimmsten ist es im Plattenbau-Stadtteil Mueßer Holz. Die Menschen leben nebeneinander her, arrangieren sich mit dem Verfall. Einige aber kämpfen dagegen an. Und manchmal findet man Nachbarschaft gerade dort, wo man sie am wenigsten vermutet.
Die Jury sagt:
Den NACHWUCHSPREIS teilen sich zwei Autoren. Eine der Preisträger ist Tanja Krämer, die im «Tagesspiegel» eine ganzseitige Reportage zur Bundesgartenschau 2009 in Schwerin geschrieben hat. Die blühenden Gärten rund ums Schloss kommen allerdings nur am Rande vor. Die Autorin schildert den Alltag im Plattenbaugebiet Mueßer Holz, dem Stadtteil, in dem wohnt, wer sich anderswo keine Wohnung leisten kann. «Schlechte Aussichten» ist eine gelungene Reportage über Menschen im Schatten der Gesellschaft, die sich am herausgeputzten BUGA-Gelände erfreute.
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